Derzeitige Situation

Derzeitige Situation

Das Robert Koch Institut in Berlin schätzt für das Jahr 2005 den Anteil an HIV-Neuinfektionen, die auf ungeschützten Sex unter Männern zurückzuführen sind auf 70% von insgesamt 2600 Infektionen.

Parallel dazu steigt auch die Anzahl von Syphilis und Tripper-Diagnosen unter Männern die Sex mit Männern haben, deutlich an.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig und reichen von dem blinden Vertrauen in die Antiretroviralen Therapien, die verharmlosend mit bunten Anzeigen beworben werden, bis hin zu der Kondommüdigkeit nach 20 Jahren Safer Sex.

Es gibt erfreulicherweise eine große Zahl HIV-Positiver Männer, denen es unter einer HAART (HochAktiven AntiRetroviralen Therapie) gut geht. Daraus allerdings  abzuleiten, dass HIV-Positive unter einer HAART generell kaum Nebenwirkungen zu ertragen haben, ist ein fataler Fehler: Viele HIV-Positive vertragen die verabreichten chemischen Substanzen nur schlecht. Es braucht sicherlich auch heute noch eine Menge Mut z.B. mit einer ausgeprägten Lipodistrophie in die Szene zu gehen. Vielen fehlt dieser Mut aufgrund der leider immer noch zu beobachtenden Ausgrenzung. Andere bleiben fern, weil sie sich zu schwach fühlen, oder durch Durchfälle ans Haus gefesselt werden. Sie werden unsichtbar.

So verfestigt sich in der Szene das zu rosige Bild, das die Pharmaindustie zeichnet.

Höhere Partnerzahlen sprechen genau wie die gestiegene Bereitschaft mit wechselnden Partnern ungeschützten Verkehr zu haben, für ein Nachlassen der Angst vor einer HIV-Infektion. Die Risikovermeidung wird durch Risikomanagement ersetzt, das allerdings oftmals eher auf irrationalen Hypothesen und Grundlagen basiert.

Vor diesem Hintergrund werden Stimmen laut, die verschärft Restriktionen fordern und relativ einseitige, unreflektierte und wenig hilfreiche Schuldzuschreibungen vornehmen.

Derartige Reaktionen sind jedoch bestenfalls dafür geeignet die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Einzelnen zu vernebeln, die aber ein zentraler Baustein wirksamer HIV- und STD-Präventionsarbeit ist.