Termin

DER FREMDE AM SEE

Freitag 27.9.2013, um 20:30 Uhr in Kooperation mit dem Filmhaus, Mainzer Str.8

Poetischer, erotisch-expliziter und spannungsgeladener Film. Regisseur Alain Guiraudie (DER AUSREISSER), der den sommerlichen Cruising-Kosmos mit eine wunderbaren filmischen Beiläufigkeit inszeniert, wurde in Cannes mit dem Preis für die Beste Regie in der Reihe Un Certain Regard und mit der Queer Palme des Festivals ausgezeichnet.

Im Sommer cruist Franck an einem Badesee und verliebt sich in den gefährlichen Michel Der in Cannes für Beste Regie der Sektion Un Certain Regard und mit der Queer Palm ausgezeichnete Film von Alain Guiraudie ist atmosphärisch, bedrohlich, realistisch und sexuell unverschämt.

Dass Regisseur Alain Guiraudie (KÖNIG DER FLUCHTEN) selbst homosexuell ist und auch als Dokumentarfilmer Erfahrung besitzt, merkt man seinem neuen Film deutlich an. Auch wenn die meist statischen Scope-Bilder streng komponiert sind, mutet DER FREMDE AM SEE in seiner Beschreibung schwulen Lebens und vor allem schwulem Balzverhalten in einem Maße authentisch, wie man es selten gesehen hat. Ganz beiläufig inszeniert Guiraudie Blicke, das Abchecken von Neuankömmlingen, das Cruisen im angrenzenden Waldstück. So natürlich ist die gezeigte Nacktheit, dass selbst kurze explizite Sexszenen in keiner Weise voyeuristisch oder plakativ wirken. Doch mit einer reinen Darstellungen schwuler Sexualität ist es für Guiraudie nicht getan: Zunehmend verlagert sich sein Blick vom bloßen Beobachten der äußerlichen Aktivitäten zur subtilen Analyse psychologischer Muster. In erster Linie geschieht dies in Gestalt von Franck, der sich mit einem Mörder einlässt, wohl wissend, dass er sich damit selbst in Gefahr bringt oder gar selbst zum Verdächtigen wird. Aber auch in der Figur Henris, der sich gerade von seiner Freundin getrennt hat und nun allein mit sich und seinem Leben hadert, vertieft der Regisseur diesen Aspekt. Auf welche Weise er am Ende das Duo Franck/Michel zu einem Trio erweitert, ist dann allerdings nicht ganz unproblematisch und bringt Guiraudies Film nah an die Grenze zur schwulen Exploitation.  (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

DER FREMDE AM SEE, 2013, FRA, 97 Min.