vor 20 Jahren

Anfang der 90er - letztes Jahrtausend

Es war einmal eine Veranstaltung

 

  • Flyer wurden zunächst noch von Hand gestaltet
  • Computerbildschirme waren grün
  • BTX  dümpelte mit 300 bps durchs Telefonnetz
  • E-Mail, Internet, SMS, MMS und Communicator waren noch was aus Star Trek
  • Handys waren 5 kg schwer und so groß wie ein Koffer

 

... Homosexualität war noch etwas "Böses" und die Veranstaltung fand lediglich einmal im Jahr statt....

 

... später würde daraus die erfolgreichste schwul-lesbische Veranstaltung im Saarland werden....

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Die Kießling-Affäre

General Günther Kießling wird wegen seiner angeblichen Homosexualität unehrenhaft entlassen.

Der MAD (Militärische Abschirmdienst) glaubte ein Sicherheitsrisiko zu erkennen, da Hr. Kießling erpreßbar wäre.

Kießling bestreitet dies in einem Interview am 12.1.1984.

Alexander Ziegler behauptet am 20.1.1984, Beweise für Kießlings Homosexualitä zu besitzent.

Verteidigungsminister Wörner erklärt bei einem anschließenden Gespräch: "Ich habe nicht das geringste gegen Homosexuelle, im Gegenteil, in meinem Haus verkehren Homosexuelle, Bekannte meiner Frau. [...]

Wenn Kießling seine homosexuellen Neigungen zugegeben hätte, wäre überhaupt nichts passiert."

Kießling wird schließlich rehabilitiert und am 26.3.1984 mit Großem Zapfenstreich verabschiedet.

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BRD: Die Forderung der Grünen nach einem Schwulen- und Lesbenreferat im Familienministerium wird nicht zur Beratung zugelassen, da die Begriffe schwul und lesbisch "von der überwiegenden Mehrheit" der Abgeordneten nicht akzeptiert werden könnten.

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DDR: Der §151 StGB wird komplett gestrichen. Homosexualität ist in der DDR nicht mehr strafbar.

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Im Saarbrücker Ballhaus findet "Warm in den Winter" statt....

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In der Fernsehserie "Lindenstraße" wird ein Kuss zwischen Carsten Flöter und Robert Engel gezeigt. Nach der Sendung laufen zahlreiche, z.T. heftigste Proteste beim WDR ein.

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Der Fuldaer Erzbischof Dyba bezeichnet Mitglieder der Frankfurter AIDS-Hilfe, die während einer Messe den Dom stürmen, als "Chaoten", "randalierende AIDS-Positive" und "hergelaufene Schwule". Weiterhin sagte Dyba: "Im Dritten Reich ist die SA auch schon auf dem Fuldaer Domplatz erschienen, um Gläubige einzuschüchtern. Aber noch nicht einmal im 3. Reich sind die Nazis in den Dom eingefallen.". Am 16. Oktober beginnt die Fuldaer Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gegen Dyba zu ermitteln. Erst, nachdem Dyba seine Äußerungen widerruft, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

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Rosa von Praunheim outet in der RTL-Sendung "Explosiv" den TV-Entertainer Hape Kerkeling und Moderator Alfred Biolek als Schwule. Die Aktion entwickelt sich zum Skandal, das für und Wider des Outings wird noch wochenlang in den Medien diskutiert.

Hape Kerkeling, Biolek, Jodie Fooster....

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ein ziemlich gewagtes Cover - und auch die These.... "jeder 10. Saarländer ist schwul... SIE AUCH ?"

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Der Bundestag beschließt mit großer Mehrheit die Streichung des §175 StGB. Der geänderte §182 (Verführung) schützt nun Jugendliche unter 18 Jahren unabhängig von ihrem Geschlecht vor sexuellem Missbrauch

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George Michael outet sich. Der Pop-Star war am 8.4.1998 wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet worden. Er hatte versucht, eine Zivilstreife zum Sex zu animieren. Der Skandal jedoch blieb aus. George Michael geht in die Offensive, spricht frei über seine Homosexualität. Seine Fans und die amerikanische Presse danken es ihm mit Anerkennung.

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Erstmals in der Deutschen Geschichte gibt es eine staatlich anerkannte Eintragung von homosexuellen Paaren: Die Hamburger Ehe. Allerdings ist diese Form der "Ehe" nur ein symbolischer Akt. Die Eintragung hat keinerlei rechtliche Folgen. Alle rechtlich relevanten Gesetze wie das Erb-, Steuer-, Adoptions- und Zeugnisverweigerungsrecht können nur durch die Änderung bundesdeutscher Gesetze erreicht werden.

08/01

Das Lebenspartnerschaftsgesetz tritt in Kraft. Saarbrücken gratuliert den ersten homosexuellen Paaren, die zum Standesamt gehen.

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Der Bundestag beschließt das Lebenspartnerschaftsgesetz.

07/02

Das Bundesverfassungsgericht stellt fest, dass das Lebenspartnerschaftsgesetz mit dem Grundgesetz vereinbar ist, und bestätigt , dass der besondere Schutz der Ehe in Art. 6 Abs. 1 GG den Gesetzgeber nicht hindert, für die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft Rechte und Pflichten vorzusehen, die denen der Ehe gleich oder nahe kommen.

11/04

der LSVD checkpoint öffnet seine Pforten

02/05

Das checkpoint Team wirbelt die Presse durcheinander und Potato titelt:

 

Coming out

homo, bi hetero - wie tolerant ist das Saarland

05/06

Der 96. deutscher Katholikentag in Saarbrücken:

 

Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht -

und wann in der katholischen Kirche?

 

Im Mai findet der Katholikentag unter dem Motto "Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht" statt. Der Lesben- und Schwulenverband Saar (LSVD) fordert zu diesem Anlass  Gerechtigkeit auch für Schwule und Lesben in der katholischen Kirche.
Mit einer Plakataktion zum Katholikentag macht der LSVD auf vielfältige Diskriminierung in der katholischen Kirche öffentlich aufmerksam.


Aktuell droht die katholische Kirche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Disziplinarmaßnahmen bis hin zur Entlassung an, wenn sie eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Dies betrifft die Kindergärtnerin, LehrerInnen und sogar den Krankenwagenfahrer eines katholischen Krankenhauses.


So hat der Trierer Bischof Marx einer Lehrerin die Erlaubnis zum Erteilen des katholischen Religionsunterrichtes an einer staatlichen Schule in Trier entzogen, weil sie eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen ist und somit gesellschaftliche Verantwortung für ihre Partnerin übernommen hat. Die Lehrerin unterrichtet seitdem Ethik. Um Solidarität mit ihrer Lehrerin zu demonstrieren besucht die Klasse aus Protest gegen die bischöfliche Entscheidung jetzt das Fach Ethik und nicht  mehr den katholischen Religionsunterricht. Ein Eigentor für Bischof Marx.


Neuerdings verweigert die katholische Kirche Schwulen die Priesterweihe. Außerdem hat die katholische Kirche zu Beginn dieses Jahres in Rom eine Konferenz zu der Frage abgehalten, wie weltweit die staatliche (!) Anerkennung schwuler und lesbischer Partnerschaften verhindert werden kann.


Der LSVD Checkpoint  in der Mainzerstr. 44 hat während des Katholikentages von Donnerstag bis Sonntag täglich von 16 bis 22 Uhr geöffnet und veranstaltet zwei Diskussionsveranstaltungen. Philipp Braun, Bundessprecher des LSVD und Generalsekretär der ILGA spricht zum Thema "Die Diskriminierung  Homosexueller durch den Vatikan auf internationaler Ebene" am Mittwoch, 24.Mai 20 Uhr und Manfred Bruns, Bundesanwalt a.D. und Bundessprecher des LSVD, am Freitag, 26. Mai 20 Uhr zum Thema "Diskriminierung von Lesben und Schwulen zwecks Förderung von Ehe und Familie".