Syphilis

Syphilis

Wie steckt man sich mit Syphilis (auch Lues) an?

Leider ziemlich leicht. Eine Infektion mit dem Syphilis-Erreger ist viel einfacher als eine Ansteckung mit HIV (dem Virus, das für Aids verantwortlich ist). Syphilis wird durch Kontakt des Erregers mit Haut oder Schleimhaut übertragen.

 

Man kann sich bei praktisch allen Sexualpraktiken anstecken, die Übertragung über Schleimhäute ist allerdings viel leichter als über die intakte Haut. Daher finden Infektionen bei Schwulen am häufigsten an der Eichel (aber auch am Penisschaft), am Anus und im Darm sowie im Mund/Rachen statt, seltener auch an den Fingern oder der Hand.

 

Der Krankheitsverlauf ist heimtückisch: Die ersten Symptome verschwinden auch ohne Behandlung nach wenigen Wochen, deswegen wird ein Teil der Erkrankungen immer noch nicht oder erst zu spät erkannt, sodass sie voranschreiten und chronisch werden können. Davor schützt eine Therapie mit geeigneten Antibiotika.

Wie zeigen sich erste Syphilis-Symptome?

Ca. drei Wochen nach der Ansteckung kann (muss aber nicht) sich am Infektionsort ein nässendes Geschwür etwa in der Größe eines Zehn-Cent-Stücks bilden, das nicht schmerzt und extrem infektiös ist. In dieser Zeit kann die Syphilis durch einfache Kontakt- oder Schmierinfektion weitergegeben werden! Für gewöhnlich heilt das Geschwür auch unbehandelt nach einiger Zeit ab. Weil es schmerzlos ist und sich auch an äußerlich nicht oder nur schwer einsehbaren Stellen befinden kann, bleibt es manchmal unbemerkt. In diesem ersten Stadium der Erkrankung kann es gleichzeitig oder kurz nach Auftreten dieses so genannten Primäreffekts zu Lymphknotenschwellungen kommen.

Wie ist der weitere Verlauf?

Ohne ärztliche Behandlung kann etwa zwei bis sechs Monate nach der Infektion das zweite Stadium mit grippeähnlichen Allgemeinsymptomen beginnen:

 

Man fühlt sich krank, hat Fieber, klagt über Gelenkschmerzen. Außerdem kann sich ein Ausschlag, Syphilid genannt, überall am Körper bilden. Viele Lymphknoten sind vergrößert und lassen sich tasten. Gleichzeitig können Papeln (warzenartige Hautveränderungen) im Mund, an Schwanz und Arsch auftreten. Unbehandelt geht der Ausschlag nach einigen Wochen zurück, kann aber jederzeit erneut auftreten, auch an Handinnenflächen und Fußsohlen. Manchmal hinterlässt er fleckartig entfärbte Hautstellen. In manchen Fällen kann es zu flächigem Haarausfall kommen. In diesem Stadium können alle Körperflüssigkeiten infektiös sein. 

 

Nach Abklingen des zweiten Stadiums kann die Krankheit in eine Ruhephase ohne Beschwerden eintreten, die mehrere Jahre oder Jahrzehnte andauern kann.  

 

Im dritten Stadium (meist frühestens nach zwei Jahren) befällt die Syphilis innere Organe wie Herz, Gefäße oder das Nervensystem. Dieser Organbefall kommt bei einer unbehandelten Syphilis in etwa einem Drittel der Fälle vor. Gekennzeichnet ist diese Phase durch das Auftreten von entzündlichen, geschwürartigen Wucherungen, die Gummen genannt werden. Sie können überall am Körper auftreten (in der Haut, in Organen, in Knochen, in Blutgefäßen und im zentralen Nervensystem) und zur Gewebszerstörung führen, die - je nach Lage der Gummen - entsprechende Beschwerden hervorrufen kann. Auch kann es zu Herzproblemen kommen, z. B. zum Herzinfarkt, und zur Ausbildung lebensbedrohender Gefäßkrankheiten (z. B. der Hauptschlagader).  

 

Das vierte und letzte Stadium der Syphilis tritt meistens erst nach zehn bis zwanzig Jahren auf. In diesem Stadium sind die Hirnhäute, die Nervenknoten und -stränge betroffen. Der Befall äußert sich in einer Zerstörung der Nervenbahnen, fortschreitenden Lähmungen, Schmerzanfällen, Empfindungsstörungen, und geistigem Verfall bis zum Tod.  

 

Alle beschriebenen Symptome in den verschiedenen Stadien können, müssen aber nicht auftreten! Einzelne Stadien können unbemerkt bleiben oder "übersprungen" werden. Und von Mensch zu Mensch schreitet die Syphilis sehr unterschiedlich voran; dies gilt im Besonderen für Menschen, die mit HIV infiziert sind (siehe unten)

Ich bin mir unsicher, ob ich Syphilis habe. Was tun?

Am besten gehst du zu einem Arzt deines Vertrauens oder zum Gesundheitsamt und sagst, dass du auf Syphilis untersucht werden möchtest - für den Test reicht eine einfache Blutentnahme aus. Am Ergebnis kann man eine ältere von einer frischen Infektion unterscheiden.  

 

Da die Erkrankungsraten bei Syphilis unter schwulen Männern in Großstädten stark zugenommen haben (zum Teil um mehr als 40 Prozent), wird Männern mit zwei oder mehr Sexualpartnern im Monat eine vierteljährliche Syphilis-Untersuchung empfohlen. Alle anderen sollten sich halbjährlich oder wenigstens einmal jährlich testen lassen.

Wie kann ich mich behandeln lassen?

Bei rechtzeitiger Diagnose ist die Syphilis gut zu behandeln. Wird sie in den Frühphasen erkannt, erfolgt eine Penicillinbehandlung. Das Penicillin wird dabei durch eine Spritze in die Gesäßmuskulatur verabreicht, in der Regel dauert die Behandlung zwei bis drei Wochen.

 

Aber auch spätere Phasen sind mit Penicillin heilbar, dann allerdings dauert die Behandlung erheblich länger, und Infusionen - in der Regel mit stationärem Krankenhausaufenthalt verbunden - sind nötig. Einmal eingetretene Schäden an inneren Organen können aber nicht mehr rückgängig gemacht werden, darum sollte die Behandlung so früh wie möglich beginnen.

Wie kann ich mich und andere vor Syphilis schützen?

Kontakt mit offenen Wunden aller Art vermeiden! Kondome und Latexhandschuhe können das Infektionsrisiko verringern, aber nicht ausschließen. Dildos und Spielzeuge sollten nur von einer Person benutzt oder vor Weitergabe gründlich gereinigt werden.Information, Aufklärung sowie frühzeitige und konsequente Behandlung  tragen zu einem erheblichen Rückgang von Neuinfektionen bei.

 

Die Sexualpartner sollten unbedingt informiert werden, damit sie sich untersuchen und gegebenenfalls selbst behandeln lassen können. Bis zum erfolgreichen Abschluss einer Therapie und Rücksprache mit dem behandelnden Arzt muss auf Sex verzichtet werden!

Erhöht eine Syphilis das Infektionsrisiko mit HIV?

Ja! Wenn ich als HIV-Positiver eine Syphilis habe, kann ich über die syphilitischen Geschwüre HIV leichter an Sexpartner übertragen. Wenn der Sexpartner auch eine Syphilis (oder eine andere Geschlechtskrankheit) hat, kann er sich sehr viel leichter mit HIV infizieren als bei intakter Haut oder Schleimhaut.

 

Deshalb ist eine schnelle Behandlung der Syphilis notwendig, um sich oder andere vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Welche Besonderheiten muss ich als HIV-Positiver im Zusammenhang mit einer Syphilis beachten?

Bei HIV-Positiven ist die Syphilis-Antikörperdiagnose nicht immer eindeutig und sollte deshalb von einem Facharzt durchgeführt werden, der sich mit HIV und Syphilis auskennt. Zudem kann eine Syphilis bei HIV-bedingter Immunschwäche wesentlich schneller verlaufen, das dritte Stadium kann (siehe oben im Text) wesentlich früher eintreten. Außerdem gelten besondere Empfehlungen für die Behandlung. Deshalb ist es für HIV-Positive wichtig, zu einem Facharzt zu gehen, der sich mit HIV und Syphilis auskennt.

Häufig gestellte Fragen (und Antworten) rund um die Syphilis

F: Die Syphilis ist in Deutschland dank Penicillin doch kein Thema mehr.

 

A: Leider doch! Vor allem in den Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Köln, Hamburg usw. sind die Infektionszahlen sprunghaft angestiegen und steigen weiter. Leider kann man sich viel leichter mit Syphilis anstecken, als viele glauben. Besonders hoch ist das Risiko natürlich dort, wo viel Sex stattfindet, z. B. in Darkrooms, Saunen, Pornokinos und auf Sexpartys.  

 

 

F: Ich kenne meine Sexpartner, z. B. aus dem Netz, und habe keinen Sex in Darkrooms oder Saunen. Da ist doch das Risiko viel geringer, dass ich mich mit Geschlechtskrankheiten infiziere.

 

A: Falsch! Auch Sexpartner, die du kennst, können eine Syphilis oder andere Geschlechtskrankheiten haben. Und selbst, wenn du deinen Sexpartner nach Geschlechtskrankheiten fragst, muss er nicht auf dem aktuellsten Stand sein. 

 

 

F: Wenn ich eine Syphilis habe, dann merke ich das schon.

A: Das ist leider nicht immer so. Die Syphilissymptome können sich stark, schwach oder überhaupt nicht zeigen. Deshalb sollte man(n) sich, wenn man regelmäßig Sex mit wechselnden Sexualpartnern hat (ab zwei im Monat), etwa alle drei Monate auf Syphilis testen lassen. 

 

F: Eine Syphilis ist ja kein Beinbruch.

 

A: Richtig! Aber die Syphilis ist eine ernste Infektionskrankheit, die, wenn sie nicht rechtzeitig und richtig behandelt wird, zu schweren körperlichen Schädigungen führt. 

 

 

F: Man hört so wenig über Geschlechtskrankheiten, sind die denn wirklich so verbreitet?

 

A: Leider werden Geschlechtskrankheiten häufig verschwiegen, weil man(n) sich dafür schämt. (Selbst-)Vorwürfe helfen aber überhaupt nicht weiter. Im Gegenteil: Sei froh, wenn ein Sexpartner dich beispielsweise über eine Syphilisinfektion informiert, weil du dann selber schnell reagieren kannst. Und informiere selbst auch deine Sexpartner, wenn bei dir eine Geschlechtskrankheit festgestellt wird. Nur so ist eine schnelle Eindämmung der Syphilis und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten möglich, und der Spaß am Sex bleibt erhalten!