Im Notfall

Wenn es mit dem Schutz mal nicht geklappt hat...

 

Das Kondom ist gerissen oder es wurde "im Sturm der Gefühle" einfach vergessen: So etwas kann durchaus passieren. Der eindringende Partner kann dann seinen Penis waschen und zu urinieren versuchen, um Reste von Körperflüssigkeiten des Partners/der Partnerin ab- und auszuspülen. Bisher ist nicht geklärt, ob für die aufnehmende Person eine Darm- oder Scheidenspülung sinnvoll oder im Gegenteil gefährlich ist.

Kommt beim Sex Sperma in die Augen, diese möglichst schnell mit Wasser ausspülen. Ist Sperma in den Mund gelangt, schnell ausspucken und ausspülen (am besten mit Alkohol - je hochprozentiger desto besser).

Wenn jemand ein erhöhtes Infektionsrisiko hatte (z.B. ungeschützter Sex mit einem HIV-positiven Menschen oder Blut- oder Schleimhautkontakt mit HIV-infiziertem Blut, etwa bei einer Nadelstichverletzung im Krankenhaus), ist möglicherweise auch eine Post-Expositions-Prophylaxe - kurz HIV-PEP - sinnvoll. (Zur Erklärung: post = nach, Exposition = hier: Kontakt mit HIV, Prophylaxe = Infektionsvermeidung) Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich eine vierwöchige Chemotherapie mit Medikamenten, die gegen HIV gerichtet sind. Sie hat die bestmögliche Wirkung, wenn sie innerhalb von zwei Stunden nach dem Risikokontakt begonnen wird. Je mehr Stunden vergehen, desto geringer ist die Chance, dass die HIV-PEP wirkt. Außerdem ist mit einem Resistenztest zu überprüfen, ob das übertragene Virus möglicherweise schon gegen bestimmte Anti-HIV-Medikamente unempfindlich ist - diese dürfen dann natürlich nicht eingesetzt werden.

Ob und wie gut die HIV-PEP wirkt, kann man allerdings nicht genau sagen. Außerdem treten manchmal auch starke Nebenwirkungen auf (Spätfolgen sind jedoch eher nicht zu erwarten).

Die Post-Expositions-Prophylaxe ist also kein "Kondom für danach", sondern eine Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen. Ob eine HIV-PEP eingesetzt werden sollte, lässt sich nur mit einem erfahrenen Arzt/einer erfahrenen Ärztin klären!