Deutlichkeit der Prävention

Deutlichkeit der Prävention

Die Übernahme von Verantwortung setzt Wissen voraus.

Nur derjenige, der sich über die Risiken beim Sex im Klaren ist, kann für sich und seinen Partner die Verantwortung übernehmen.

Dies bedeutet, dass angesichts steigender Erstdiagnosen von HIV-Infektionen und anderen STDs die Bemühungen verstärkt werden müssen, MSM über die jeweiligen Übertragungswege und Symptome zu informieren und zwar zielgruppenspezifisch, klar und deutlich.

Konkret: In Infomaterialien oder im Internet muss es möglich sein, explizit über Sexualpraktiken, damit verbundene Risiken und Risikominderungsstrategien zu reden. Der LSVD sieht mit Sorge die Schwierigkeiten, denen die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) als freier Träger der HIV-Prävention für schwule Männer immer wieder ausgesetzt ist.

Es kann nicht angehen, dass beispielsweise die Informationen, die in der Broschüre "Schwuler Sex: Lust und Risiken" enthalten sind, aus dem Internetauftritt der DAH herausgenommen werden mussten und damit der Jugendschutz gegen sinnvolle HIV-Prävention, die sich ja gerade auch an schwule Jugendliche richten muss, ausgespielt wird.

In der Präventions-Arbeit müssen neue, auf die veränderte Wahrnehmung der HIV-Bedrohung ausgerichtete Konzepte erarbeitet werden. Diese Konzepte müssen als Zielgruppe auch Jene erreichen, die auf der Ebene des fetischbesetzten unsafen Sex trotz Kenntnis des Risikos eine "Jetzt-erst Recht-" oder "Trotzdem-" Haltung einnehmen.

Völlig unverständlich sind ferner die fortwährenden Kürzungen im Präventionsbereich auf vielen Ebenen bis hin zu den Kommunen. Mittel, die heute in der Prävention gespart werden, müssen morgen, um ein Vielfaches erhöht, für die Versorgung von HIV-Patienten ausgegeben werden.

Vor diesem Hintergrund fordert der LSVD:

  • Verstärkte Präventionsbemühungen im Schwulenbereich einschließlich einer Aufstockung der finanziellen Mittel.
  • Jede Zeit und jede Generation muss immer wieder neu für Prävention gewonnen werden. Präventionsbotschaften und Vermittlungsmethoden müssen auf die veränderte Wahrnehmung hin überprüft und justiert werden, um gezielt gegen Trends wie "Unsafe ist cool" Stellung zu beziehen.
  • Prävention muss Botschaften entwickeln, die schwulen Männern, insbesondere auch der jüngeren Generation schwuler Männer aufzeigt, dass ein schwules Leben über vierzig lebenswert und erfüllt sein und Spaß machen kann.
  • Prävention muss die ganze Vielfalt schwuler Lebensformen und Begegnungen im Auge haben, auch schwule Paarbeziehungen. Sie muss passgenaue und realistische Wege für verantwortliches Verhalten aufzeigen.
  • Größere Freiräume für die DAH und andere Träger der HIV-Prävention bei der Gestaltung von Infomaterialien oder im Rahmen ihres Internetportales.  Sexuelle Praktiken und die jeweiligen Verhaltensmaßregeln zur Prävention müssen klar und deutlich beschrieben werden können.
  • Pharmakonzerne sollen, anstatt HIV-Infektionen durch ihre Werbekampagnen in den schwulen Medien zu verharmlosen, zu Trägern der HIV-Prävention werden, indem sie bestehende Projekte fördern und neue Initiativen unterstützen.
  • Private und gesetzliche Krankenkassen sollten in die Finanzierung der HIV-Prävention eingebunden werden.