Barebacking

Barebacking

Die Diskussion zum Thema Barebacking bedarf zunächst einer Versachlichung. Das liegt vor allem daran, dass das Wort mittlerweile nicht mehr in seinem ursprünglichen Zusammenhang - dem ungeschützten Sex zwischen positiven Partnern, die sich über ihren eigenen HIV-Serostatus, den ihres Partners und weiteren Faktoren wie Virustyp, Viruslast und Resistenzen im klaren sind - benutzt wird, sondern als trend- und fetischbesetztes Label  für ungeschützten Sex gilt.

Der Unterschied liegt hier ganz klar im Grad der Information der Partner sowie der Bereitschaft, für seine eigene Gesundheit und die des Partners Verantwortung zu tragen:

Der Wegfall der Angst, sich mit HIV infizieren zu können, ist vielleicht der einzige positive Aspekt des Positiv-Seins. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass HIV-positive Männer im Hinblick auf ihre Lebensqualität zu der Entscheidung kommen, untereinander auf das Kondom verzichten zu wollen. Verantwortliche Entscheidungen können jedoch nur gefällt werden, wenn Klarheit über die Infektion sowie andere Risiken wie etwa sexuell übertragbare Krankheiten besteht. In vielen soziosexuellen Situationen ist ein Besprechen der Grenzen und Risiken unwahrscheinlich, insbesondere wenn auch Drogen im Spiel sind. Hier muss jeder sein Risiko selbst einschätzen und seine Grenzen selbst bestimmen und durchsetzen.  Gegenseitige Rücksichtnahme heißt auch, die Grenzen der anderen zu respektieren und nicht zu überschreiten.

Wird hingegen ungeschützter Sex unter dem Deckmantel Barebacking zum Fetisch erklärt - als coolerer oder gar männlicherer Sex - bleibt von dieser Verantwortung nichts übrig. Gegenseitige Annahmen ersetzen das Wissen: "Er würde auf Schutz bestehen, wenn er negativ wäre..." steht gegen "Er würde schon nichts ungeschütztes machen, wenn er es hätte.." Kommt es zu solchen Projektionen, wird die Eigenverantwortung dem Partner übertragen, solidarisches Verhalten durch egoistisches ersetzt. Dies gilt für alle Beteiligten in jeder Situation, egal ob sie positiv, negativ oder ungetestet sind. Verantwortung ist nicht teilbar.

Unsafen Sex als fetischbesetztes Barebacking zu verkaufen ist und bleibt unethisch und ist auch nicht damit zu rechtfertigen, dass das Kondom an sich oder das bewusste Einhalten der Safer Sex-Regeln lustmindernde Faktoren darstellen, da ausgerechnet beim Sex der Kopf eingeschaltet bleiben muss. Dies mag als Begründung dafür taugen, dass es in einer konkreten Begegnung zu unsafem Sex kam, es taugt nicht als Begründung zum Vorsatz.

  • Der LSVD wirbt für Safer Sex als eigenverantwortlicher Notwendigkeit. Solidarisches Verhalten gegenüber den Partnern heißt die Grenzen anderer zu respektieren und nicht zu versuchen, sie aktiv zu überschreiten.
  • Der LSVD empfiehlt Männern, die Sex mit wechselnden Partnern haben, sich regelmäßig auf STDs untersuchen zu lassen, selbst wenn sie Safer Sex praktiziert haben.