Aufklärung in Schulen

Aufklärung in Schulen

Nach wie vor sind Schulen homophobe Orte. "Schwule Sau" ist noch immer eines der häufigsten Schimpfworte auf den Schulhöfen, offen schwule Schüler oder lesbische Schülerinnen werden gehänselt oder bedroht und erfahren oft keine Unterstützung von ihren Lehrerinnen und Lehrern. Das Thema Homosexualität wird, wenn es denn überhaupt im Unterricht auftaucht, oft als Nebenaspekt im Aufklärungsunterricht behandelt oder höchstens unter dem Aspekt "Diskriminierung" als Beispiel benutzt.

Die jetzige nordrhein-westfälische Landesregierung plante, eine EU geförderte  Materialiensammlung für sozialpädagogische und pädagogische Fachkräfte, die mit Jugendlichen arbeiten, nicht mehr durch Lehrkräfte nutzen zu lassen und sich von dieser Broschüre mit der Anmerkung, dass darin eine Bewertung von Lebensweisen stattfände, welche die Landesregierung nicht teile, zu distanzieren.

Dies wurde erst nach großem öffentlichen Druck seitens des LSVD und der Kooperationspartner, die an der Entstehung der Broschüre beteiligt waren, fallengelassen.

Sozialwissenschaftliche Studien belegen, dass neben der Bereitschaft zu Safer Sex auch das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entscheidend dazu beitragen, dass Safer Sex in einer konkreten Situation auch tatsächlich ausgeübt wird.

Wenn die Schule auch schwule Schüler und lesbische Schülerinnen in ihrer Entwicklung zu Eigenverantwortlichkeit unterstützen will, müssen im Unterricht gleichgeschlechtliche Beziehungsmodelle genauso selbstverständlich präsent sein wie verschiedengeschlechtliche. Anders kann eine Erziehung zu Toleranz, Respekt und Verantwortung nicht gelingen.

Selbstbewusstes lesbisches oder schwules Leben taucht im Unterricht überhaupt nicht - oder nur auf sexuelles Verhalten reduziert - auf. Nur punktuell gelingt es, im Rahmen von Projekttagen junge Schwule und Lesben in den Unterricht einzubinden.

Bisher ist Schwulsein und Lesbischsein kein Thema in der Ausbildung von Lehrkräften.

Viele junge Lehrerinnen und Lehrer haben daher keinerlei Kenntnis, wie sie damit umgehen und dies thematisieren können. Sie wissen auch nicht, wie sie einer Diskriminierung von schwulen und lesbischen Schülern und Schülerinnen  entgegentreten sollen.

Die Aufnahme von schwullesbischen Themen und den Umgang damit und mit Diskriminierung in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist daher ein wichtiges Instrument zu Aufklärung und Toleranz, welches auch ohne zusätzliche Kosten möglich ist.

Der LSVD fordert daher:

  • Über verbindliche Rahmenrichtlinien zum Sexualkundeunterricht hinaus müssen Lehrpläne dafür Sorge tragen, dass in der Schule auch Kenntnis von und Respekt für verschiedene Formen eigenverantwortlichen Lebens - verschiedengeschlechtlichen wie gleichgeschlechtlichen Lebens - vermittelt werden.
  • Schwul-lesbische Schulprojekte und Jugendgruppen sollen nach Möglichkeit in den Unterricht einbezogen werden.
  • Schwul-lesbische Themen müssen in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an Universitäten und Fachhochschulen mit aufgenommen werden
  • Fachspezifische Fortbildungen, die zur Erhöhung der didaktischen und pädagogischen Kompetenz der Lehrkräfte beitragen,  insbesondere für Fächer wie Geschichte, Deutsch, Fremdsprachen, Biologie, Werte und Normen, Religion. Für diese Fortbildungen sollten auch die spezifischen Fachkenntnisse schwuler Pädagogen und lesbischer Pädagoginnen herangezogen werden.
  • Die Überarbeitung von Schulbüchern im Hinblick auf die Berücksichtigung aller Lebensweisen. Dies gilt für alle Fächer.
  • Akzeptanzkampagnen (beispielsweise mit Plakaten) zum Thema Homosexualität - Bisexualität - Transgender in den Schulen.